Ab heute wieder Gottesdienst

Im neuen Glanz: Die Schlosskirche, Foto: Munzert

Bayreuth. Nach einjähriger Sanierungszeit wird in der Bayreuther Schlosskirche ab dem heutigen Sonntag wieder Gottesdienst gefeiert. Am Sonntag, 19. Mai, zelebriert Erzbischof Ludwig Schick einen Festgottesdienst zur Wiedereröffnung.

Fast auf den Tag genau ein Jahr lang musste die Kirchengemeinde, da kein anderer Raum gefunden werden konnte, mit ihren Gottesdiensten auf den Pfarrsaal ausweichen. »Nun liegt das Exil hinter uns», freut sich Pfarrer Christian Karl Steger. »Im Grunde ist die Kirche generalsaniert worden - Dach, Außenwände, Elektrik, Heizung, einfach alles. Das Gebälk driftete auseinander, so dass der Stuck an der Decke gefährdet war. Heizung und Lüftung aus dem Jahr 1969 waren marode und veraltet, ebenso sämtliche Leitungen. Konkret hat es im Winter gelüftet und im Sommer geheizt. Die Raumschale wurde zuletzt vor über 30 Jahren gereinigt und war stark verschmutzt. Außerdem wurden Filter eingebaut, um die Luft im Kirchenraum künftig sauberer zu halten und den Stuck zu schonen».

Neben den notwendigen Instandsetzungsarbeiten erhielten Kirchenschiff und Empore ein neues Farbkonzept, welches die Raumwirkung verändert. »Alles ist heller und wirkt größer», so Pfarrer Steger. Die vorher blaugrünen Säulen zeigen sich jetzt roséfarben marmoriert. Im Zuge der Sanierung wurde der Altar umgebaut, die Madonna mit dem Strahlenkranz von der Wand weg, nach vorne gerückt und der eingelagerte Tabernakel nach der Res-taurierung neu positioniert.

»Die für die Sanierung Verantwortlichen haben sich viele Gedanken gemacht, wie der vornehme Rokokobau, der im Lauf der Jahrhunderte aufgrund Umwidmung einer ehemals protestantischen Hofkirche nach jahrelangem Leerstand zu einer katholischen Pfarrkirche wurde, auch unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes wieder erstrahlen kann. Die Kirche erhielt bereits mehrfach ein neues Gesicht, mehrere Generationen haben dem Raum ihren Zeitgeschmack aufgedrückt - zuletzt herrschte eindeutig Stil und Form der 1960er Jahre. Deshalb rieten uns Fachleute zu einer kompletten Neuinterpretation der Kirche, um dem Raumgefühl des 18. Jahrhunderts wieder nahezukommen», erläutert Pfarrer Steger.

Die Gesamtkosten der Sanierung belaufen sich auf 2,5 Millionen Euro, davon sind 500.000 Euro staatliche Unterstützung. Das Erzbistum Bamberg hat 1,2 Millionen Euro übernommen. 800.000 Euro bleiben bei der Pfarrei. Dafür wurde ein Darlehen aufgenommen. »Um dieses Geld zurückzuzahlen, sind wir auf Spenden angewiesen,» sagt der Pfarrer. »Gemeindemitglieder haben sich bisher schon großzügig gezeigt. Wir freuen uns jedoch über jede Spende.»

Als innovatives Schmankerl bezeichnet Pfarrer Steger die Neugestaltung der drei Deckenspiegel, die 1866 übermalt wurden. »Wir haben in einem über Jahre andauernden Prozess nach Möglichkeiten gesucht, die Decke zu vervollständigen und diese so architektonisch mit der Darstellung des Himmels wieder zu öffnen», so Pfarrer Steger.

Kirchenmaler Franz Fersch schuf drei Gemälde im Stil des Rokoko, in der Opulenz reduziert und mit dreidimensionaler Wirkung. »Wir wollten den Deckenhimmel wieder aufreißen, keinen barocken Himmel - die Farbigkeit unseres neuen Himmels wäre dem Rokoko fremd gewesen - sondern einen Himmel, nach dem der Mensch unserer Tage blickt», erklärt Pfarrer Christian Karl Steger.

Ein Deckenbild zeigt die Geburtsszene von Jesus Christus. Statt einem Stall ist eine fränkische Höhle abgebildet. Der Hirtenhund ist Folichon, das Schoßhündchen von Markgräfin Wilhelmine, auf deren Gruft er dann auch noch hinabschaut. Auch der Mesner der Schlosskirche wurde als Hirte in der Szene verewigt. Wie auf sonstigen Darstellungen der Geburtsszene wurde auf Engel verzichtet.

Der große, mittlere Deckenspiegel zeigt die Christi Himmelfahrt-Szene. Die schalkhafte Darstellung von Franz Fersch setzt voraus, dass Jesus mit seinen Aposteln vor dem Abschied noch einmal eine deftige Brotzeit zu sich genommen hat, denn an den Resten (fränkischer) Brezen knabbert eine Maus.

Der dritte Deckenspiegel zeigt die vier Evangelisten, die vom Wirken Jesu berichten. Lukas, der der Legende nach der erste Maler eines Madonnenbildes war, trägt die Züge von Kirchenmaler Franz Fersch.

gmu