Veröffentlicht am 14.02.2025 17:00

Pflege zu Hause – was nach dem Krankenhaus kommt

David Horn, Pflegewissenschaftler an der Klinikum Bayreuth GmbH  (Foto: red )
David Horn, Pflegewissenschaftler an der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
David Horn, Pflegewissenschaftler an der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
David Horn, Pflegewissenschaftler an der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )
David Horn, Pflegewissenschaftler an der Klinikum Bayreuth GmbH (Foto: red )

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Rundum Gepflegt“ lädt die Pflegedirektion der Klinikum Bayreuth GmbH am Sonntag, 16. Februar, zwischen 14 und 17 Uhr, zu einem Informationsnachmittag rund um das Thema Pflege zu Hause ein. Neben verschiedenen Vorträgen, die praktische, rechtliche und pflegerische Aspekte ansprechen, steht vor allem der Austausch untereinander im Mittelpunkt. „Wir möchten Wissenschaft, Praxis und Betroffene zusammenbringen, um das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und im besten Fall Betroffene und Angehörige unterstützen, praxisnahe Lösungsansätze zu finden“, sagt David Horn, Pflegewissenschaftler an der Klinikum Bayreuth GmbH. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Warum ist das Thema Pflege zu Hause gerade auch für Sie im Krankenhaus so relevant?
David Horn: Das Thema Pflege zu Hause ist auch für uns als Krankenhaus heute wichtiger denn je, da es zahlreiche Aspekte der Versorgungskette berührt. Krankenhäuser sind verpflichtet, nach der stationären Behandlung eine nahtlose Anschlussversorgung zu gewährleisten. Dies gelingt durch ein strukturiertes Entlassmanagement, das den Übergang in die häusliche Pflege regelt. Dabei erfassen wir den individuellen Unterstützungsbedarf, von vorübergehender Hilfe bis hin zu dauerhafter Pflegebedürftigkeit. Eine gut organisierte häusliche Pflege entspricht häufig dem Wunsch der Patientinnen und Patienten, hilft, wiederholte Klinikaufenthalte zu vermeiden – und trägt nicht zuletzt auch erheblich zur Kosteneffizienz im Gesundheitssystem bei.

Welche Möglichkeiten der häuslichen Pflege gibt es?
David Horn: Es existiert eine Vielzahl von Pflegeformen, die sich auch kombinieren lassen. Die Pflege durch Angehörige stellt dabei häufig die Basisversorgung dar. Ergänzend leisten ambulante Pflegedienste Unterstützung bei der Grundpflege und Behandlung. Ist eine kontinuierliche Betreuung erforderlich, bietet sich die 24-Stunden-Pflege an, bei der eine Pflegekraft mit im Haushalt lebt. Tagespflegeeinrichtungen schaffen tagsüber Entlastung, ermöglichen aber, dass die Betroffenen für den Abend und die Nacht in ihr gewohntes Umfeld zurückkehren. Auch die Kurzzeitpflege, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt, sowie die Verhinderungspflege, die einspringt, wenn die Hauptpflegeperson ausfällt, stellen wichtige Optionen dar. All diese Ansätze lassen sich individuell miteinander verknüpfen. Eine interdisziplinäre Beratung hilft, medizinische, pflegerische und soziale Aspekte in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.

Welche Rolle übernehmen Sie als Krankenhaus dabei?
David Horn: Es ist unsere Aufgabe, bereits während des Krankenausaufenthalts zu beurteilen, ob eine vorübergehende oder doch eine langfristige Pflege notwendig sind. Parallel dazu erfolgt bereits die Koordination der Anschlussversorgung durch unseren Sozialdienst: Wir arbeiten dabei eng nicht nur mit Hausärzten, sondern auch mit Pflegeeinrichtungen, ambulanten Pflegediensten und anderen Institutionen zusammen, um einen möglichst reibungslosen Übergang sicherzustellen.

Daneben beraten wir Patientinnen, Patienten und deren Angehörige, auch zu den Möglichkeiten der häuslichen Pflege, unterstützen etwa bei der Beantragung von Pflegeleistungen oder der Beschaffung von Hilfsmitteln. Sollte die benötigte Versorgung nicht unmittelbar verfügbar sein, greifen wir auf Leistungen der Übergangspflege zurück, um Versorgungslücken zu überbrücken.

Mit welchen Situationen sind pflegende Angehörige oft konfrontiert?
David Horn: Oft sind es emotionale und körperliche Erschöpfung, oder die Schwierigkeit, Pflege und Beruf zu vereinbaren. Auch der Umgang mit Stress und der Gefahr eines Burnouts und finanzielle Sorgen spielen eine Rolle. An uns wenden sich Angehörige oft mit Fragen nach Möglichkeiten finanzieller Unterstützung oder den rechtlichen Rahmenbedingungen während der Pflegezeit. Aber auch die Pflege selbst ist ein großes Thema: Häufig kommen Fragen nach Pflegetechniken bei speziellen Krankheitsbildern, aber auch zu organisatorischen Hilfestellungen im Alltag.

Können Sie im Krankenhaus das alles leisten?
David Horn: Nein, sicher nicht alles. Aber wo wir an unsere Grenzen stoßen, kennen wir Stellen, an die sich Betroffene wenden können, um diese herausfordernde Aufgabe besser bewältigen zu können. Pflege- und Krankenkassen beraten zu Leistungsanträgen und bieten Informationsmaterialien an. Pflegestützpunkte und kommunale Beratungsstellen vermitteln lokale Unterstützung und auch ambulante Pflegedienste bieten praktische Hilfe und Schulungen für Angehörige. Ich rate außerdem zum Besuch einer Selbsthilfegruppe zum Austausch von Erfahrungen. Zudem bieten auch Ärztinnen, Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten medizinische sowie psychologische Beratung. Beim Informationsnachmittag können sich Besucherinnen und Besucher einen guten Überblick verschaffen und haben darüber hinaus die Möglichkeit, mit Expertinnen und Experten vor Ort zu sprechen.

Informationsnachmittag:

Pflege zu Hause – was nach dem Krankenhaus kommt
Sonntag, 16. Februar, 14 bis 17 Uhr
Klinik Hohe Warte, Therapiegebäude (Speisesaal)
Eintritt frei, Anmeldung nicht erforderlich.


Von red
north