Veröffentlicht am 03.04.2025 15:47

Rauswurf im Jubiläumsjahr

Auch lebende Kunstwerke im Park ergänzten im vergangenen Jahr die Ausstellung. (Foto: W. Munzert)
Auch lebende Kunstwerke im Park ergänzten im vergangenen Jahr die Ausstellung. (Foto: W. Munzert)
Auch lebende Kunstwerke im Park ergänzten im vergangenen Jahr die Ausstellung. (Foto: W. Munzert)
Auch lebende Kunstwerke im Park ergänzten im vergangenen Jahr die Ausstellung. (Foto: W. Munzert)
Auch lebende Kunstwerke im Park ergänzten im vergangenen Jahr die Ausstellung. (Foto: W. Munzert)

BAYREUTH. Ein Stück Bayreuther Tradition geht zu Ende: Nach mehr als 50 Jahren wird die renommierte Bayreuther Kunstausstellung des Kunstvereins in diesem Festspielsommer nicht mehr in der Eremitage stattfinden. Die Bayerische Schlösserverwaltung verweist auf dringende Sanierungsarbeiten – doch hinter vorgehaltener Hand heißt es, dass der Raumbedarf für Veranstaltungen, vor allem Hochzeiten, entscheidend sei. Für den Kunstverein ein Schlag ins Gesicht, zumal es wohl keine Hoffnung auf eine Rückkehr gibt. Zum Jubiläum weicht die Ausstellung heuer in die „Schlossgalerie” in der Kanalstraße aus – eine Notlösung ohne Zukunftsperspektive.

Die Entscheidung fiel bereits im Dezember 2024: Die Bayerische Schlösserverwaltung informierte den Kunstverein darüber, dass die Bayreuther Kunstausstellung 2025 nicht im Westflügel des Neuen Schlosses der Eremitage stattfinden kann. Offizielle Begründung: Renovierungsarbeiten – jedoch nicht dort, sondern in anderen Gebäudeteilen. Gleichzeitig wächst der Raumbedarf für kommerzielle Veranstaltungen. Kultur muss, scheint es, weichen.

Für den Kunstverein ist dies ein besonders bitterer Moment. In diesem Jahr feiert die Bayreuther Kunstausstellung ihr 75. Jubiläum. „Eine Kunstveranstaltung mit dieser Konstanz ist eine Seltenheit”, erklärt der Vorsitzende des Kunstvereins, Hans-Hubertus Esser. „Seit 1970 war die Eremitage unser Zuhause – es wäre die 54. Ausstellung an diesem Ort gewesen.” Zweimal musste die Veranstaltung wegen Bauarbeiten oder Eigenbedarfs bereits ausweichen, doch diesmal gibt es kein Zurück mehr.

Besonders irritierend: Selbst nach Abschluss der Sanierungsarbeiten will die Schlösserverwaltung keine Garantie für eine Rückkehr geben. Anfragen des Kunstvereins und der Stadt Bayreuth blieben unbeantwortet. Ein Affront gegen die Kulturszene, die sich mit dieser Entscheidung nicht abfinden will. „Warum soll nach 55 Jahren Schluss sein?”, fragen sich viele. Schließlich betont die Schlösserverwaltung auf ihrer eigenen Website, dass es ihre Aufgabe sei, „Kultur jeglicher Art in diesen außergewöhnlichen Räumen zu präsentieren”. Doch aktuell scheint der Kommerz die Oberhand zu gewinnen – auf Kosten des kulturellen Erbes.

Die Bedeutung der Bayreuther Kunstausstellung ist unbestritten: Jährlich zieht sie 5.000 bis 7.000 Besucher an, Hunderte von Künstlerinnen und Künstlern aus dem In- und Ausland bewerben sich um eine Teilnahme. „Die Verbindung von Kunst, Schloss und Parkanlage hat ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen, das in Bayern einmalig ist”, betont Hans-Hubertus Esser.

Statt der Eremitage dient nun die „Schlossgalerie” in der Bayreuther Innenstadt als Ausweichquartier. Doch was auf den ersten Blick wie ein adäquater Ersatz klingt, entpuppt sich als Provisorium: ein leerstehender Neubau, teilweise vom Finanzamt genutzt, mit dem Zusatz „Schloss” lediglich aufgrund seiner Nähe zum Alten Schloss. Das Gebäude steht zum Verkauf oder zur Vermietung – eine langfristige Perspektive für die Kunstausstellung sieht anders aus.

Ob und wo die Bayreuther Kunstausstellung in Zukunft eine dauerhafte Heimat findet, bleibt ungewiss. Sicher ist nur: Die Entscheidung der Schlösserverwaltung hinterlässt eine schmerzhafte Lücke in der Kulturlandschaft Bayreuths.


Von Gabriele Munzert
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