Gesundheit: Der Gelenkteilersatz am Knie

Dr. med. Ingo Schilasky Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Foto: Archiv

Die Arthrose als häufigste Gelenkerkrankung betrifft insbesondere das Kniegelenk. Etwa neun Prozent aller Erwachsenen leiden durch Arthrose an alltagsrelevanten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Das Kniegelenk ist das mit Abstand am häufigsten betroffene Gelenk.

Nehmen Einschränkungen und Beschwerden derart zu, dass Sport, Beruf oder Alltag beeinträchtig sind, sinkt rasch die Lebensqualität. Durch gründliche Diagnostik und eine gezielte konservative Therapie gelingt es, die Erkrankung mit orthopädischer Hilfe zu lindern und ihrem Fortschreiten entgegenzuwirken.

Allerdings findet keine Regeneration des zerstörten Gelenkknorpels statt und kann auch mit den modernsten medizinischen Therapien nicht erreicht werden. Somit nimmt die Arthrose über Monate und Jahre weiter zu.

Sind die Beschwerden mit konservativen Mittel schließlich nicht mehr ausreichend behandelbar, stehen viele Patienten vor der Entscheidung, die Operation eines künstlichen Kniegelenks durchführen zu lassen.
Besonders am Knie fanden in den vergangenen Jahren viele Entwicklungen und Neuerungen statt. Früher gab es »den einen Gelenkersatz fürs Knie». Dieser deckte stets die gesamte Gelenkfläche ab, ohne zwischen gesunden und verletzten Knorpelbereichen zu unterscheiden.

Heute steht eine breite Auswahl an Prothesen, individuell auf die Bedürfnisse der Patientin/des Patienten angepasst, zur Verfügung. Mit diesen modernen Oberflächenersatzprothesen kann der operierende Orthopäde nicht nur die gesamte Kniefläche ersetzen, sondern auch gezielt einzelne Gelenkabschnitte unabhängig voneinander versorgen.

Ist beispielsweise ausschließlich der innere Gelenkspalt von der Arthrose betroffen, kann mit einem sogenannten »medialen Schlitten» (unikondylärer Gelenkersatz) die Erkrankung effektiv und nachhaltig behandelt werden. Umgekehrt ist eine Teilprothese ausschließlich für den äußeren Gelenkspalt möglich.

Neben der einseitigen inneren oder äußeren Arthrose bestehen oft fortgeschrittene Knorpelschäden in der Gleitfläche zwischen Oberschenkel und Kniescheibe. Spezielle Gleitflächenprothesen ermöglichen eine individuelle Behandlung auch dieser umschriebenen Bereiche. Die Vorteile eines Teilersatzes liegen in der kürzeren OP-Zeit, dem kleineren Hautschnitt und der minimal-invasiven Eröffnung des Gelenkes. Durch den Erhalt der Bandstrukturen und großer Teile des Knorpels wird die natürliche Gelenkmechanik und Funktion wiederhergestellt.

Die Patientin/der Patient erfährt eine schmerzärmere und raschere Erholung nach dem Eingriff, weshalb der Aufenthalt im Krankenhaus oft nur wenige Tage erfordert. Insbesondere jüngere Patientinnen und Patienten mit hohem Aktivitätsgrad, bei welchen ein vollständiger Gelenkersatz generell vermieden werden sollte, profitieren von diesem prothetischen Gelenkersatz. Generell können moderne Teilersatzprothesen aber unabhängig von Alter und körperlichem Anspruch eingesetzt werden.

Metallunverträglichkeiten können ebenso wie unterschiedliche Befestigungen (zementiert/unzementiert) auf dem Knochen berücksichtigt werden. Die Narkosezeit verkürzt sich, eine rückenmarksnahe Anästhesie ist ebenso wie eine Vollnarkose möglich. Die Haltbarkeit eines einseitigen Kniegelenkersatzes ist mit der einer Totalendoprothese vergleichbar.

Tritt eine erneute Verletzung oder ein weiterer Verschleiß der ursprünglich noch unversehrten Gelenkanteile ein, so kann ein bestehender Teilersatz in der Regel komplikationslos entfernt werden und der Weg für z.B. einen kompletten Gelenkersatz ist frei.

Heute werden bis zu 30 Prozent aller Knieendoprothesen als Teilprothesen erfolgreich implantiert und sind längst Teil des Leistungskatalogs der Krankenkassen. Der operativ tätige Orthopäde kann seiner Patientin/seinem Patienten mit dem Kniegelenks-Teilersatz eine schonende und individuelle Lösung anbieten.

red