Gesundheit: Arthrose - was nun?

Christian Benker, Oberarzt, Hauptoperateur und Standortleiter des Endoprothetikzentrums an der Klinik für Orthopädie/ Hohe Warte, Foto: Klinikum Bayreuth GmbH

Bayreuth. Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt. Und sie kann sehr schmerzhaft sein. Oberarzt Christian Benker, Hauptoperateur und Standortleiter des Endoprothetikzentrums an der Klinik für Orthopädie/Hohe Warte, hält am Mittwoch, 10. April, ab 18 Uhr im Foyer des Klinikums einen medizinischen Vortrag zum Thema »Arthrose - was nun?» Wir sprachen vorab mit dem Referenten.

Klinikum Bayreuth GmbH lädt zu Medizinischem Vortrag ein

BTSZ: Herr Benker, was genau ist Arthrose und wie entsteht sie?
Christian Benker: Unter Arthrose versteht man die Abnutzung des Gelenkknorpels, anders gesagt, den Verschleiß des Gelenks. Die Hauptursachen sind vor allem altersbedingte Abnutzungen, Übergewicht, Überbeanspruchung, Folgen einer Verletzung und Entzündungen im Gelenk. Arthrose lässt sich nicht rückgängig machen. Wenn der Knorpel geschädigt oder weg ist, bleibt es dabei. Aber man kann die Beschwerden lindern.

BTSZ: Welche Beschwerden haben Patientinnen und Patienten?
Christian Benker: Arthrose verläuft in Phasen. Es gibt Phasen, die fast ohne Schmerzen verlaufen können. Und es gibt das genaue Gegenteil - Phasen, in denen der Patient sehr starke Schmerzen hat. Schmerzen sind etwas sehr Individuelles. Typisch ist der Anlaufschmerz. Schmerzen treten beim Wechsel von Ruhe zu Belastung auf. Zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen oder nach einer längeren Autofahrt. Im fortgeschrittenen Stadium begleitet der Schmerz Patienten permanent. Sie können sich nicht mehr richtig belasten, sie schlafen nachts schlecht, der Leidensdruck steigt. Im schlimmsten Fall ist der Gelenkknorpel vollkommen verschwunden, Knochen reibt auf Knochen. Wenn der Patient aufgrund der Schmerzen das Gelenk nicht mehr bewegt, wird es steif.

BTSZ: Wie behandeln Sie Ihre Arthrose-Patienten?
Christian Benker: Unsere Leitlinie ist: Vor einer Operation alle konservativen Möglichkeiten nutzen. Bewegung muss sein. Der Gelenkknorpel ist nicht durchblutet, er bekommt seine Ernährung durch Bewegung. Wichtig ist dabei natürlich auch, dass das Körpergewicht des Patienten passt. Und dass er sein Leben ein Stück weit darauf einstellt - zum Beispiel was den Beruf oder den Sport angeht. In der nächsten Stufe folgt die Krankengymnastik. Sie stärkt die Muskulatur, die das Gelenk dann besser halten und führen kann. Mit Schienen oder Orthesen kann man eine Umlastung erzielen. Wenn alle diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, stellt sich die Frage nach kleinen Eingriffen. Dies sind zum Beispiel Gelenkinjektionen mit schmerzlindernder und entzündungshemmender Wirkung. Die Frage ist, ob es wirklich hilft. Patienten berichten von sehr unterschiedlichen Erfahrungen. Aber: Wer heilt, hat Recht. Im operativen Bereich prüfen wir zuerst, ob das Gelenk einen anderen Schaden als die Abnutzung hat. Und wir fragen uns: Kann man mit kleineren arthroskopischen Eingriffen eine Verbesserung erzielen oder den Verlauf bremsen? Mit Knorpeltransplantation zum Beispiel, mit kleinen Kollagen-Auflagen oder mit Mikrofraktuierung. Wenn ein Patient deutliche O-Beine hat und die Arthrose daher rührt, können wir die Beinachse ändern. Wenn das Gelenk richtig kaputt ist und der Leidensdruck entsprechend groß ist, können wir das Gelenk zum Teil oder auch ganz ersetzen. Unser Ziel ist es, nur das im Gelenk zu ersetzen, was nicht mehr funktionsfähig ist.

BTSZ: Wie verbreitet ist die Arthrose?
Christian Benker: In Deutschland leiden etwa fünf Millionen Frauen und Männer unter Beschwerden, die durch eine Arthrose verursacht werden, mit steigender Tendenz. Die Menschen werden immer älter, damit nehmen auch die degenerativen Erkrankungen zu. Im Vordergrund stehen Hüfte und Knie, denn diese Gelenke sind statisch belastet.

red