Gesundheit: Bluthochdruck - die stille Gefahr

Prof. Dr. Harald Rupprecht Chefarzt der Klinik für Nephrologie, Hypertensiologie, Angiologie und Rheumatologie, Foto: Klinikum Bayreuth GmbH

120 zu 80. Haben Sie Traumwerte? Diese sollten Sie auf jeden Fall anstreben. Nicht, um einem Schönheitsideal zu entsprechen, sondern um der eigenen Gesundheit willen. Die Rede ist vom Blutdruck. Ist er dauerhaft zu hoch, läuft unser Körper permanent auf Hochtouren. Kopfschmerzen, Schwindel, ja sogar ein Schlaganfall oder plötzlicher Herztod können die Folgen sein.

Prof. Dr. Harald Rupprecht, Chefarzt der Klinik für Nephrologie, Hypertensiologie, Angiologie und Rheumatologie, ist Experte auf dem Gebiet. Im Rahmen eines Medizinischen Vortrags am kommenden Mittwoch im Klinikum Bayreuth spricht er über die Gefahren von Bluthochdruckerkrankungen, vor allem aber darüber, wie man ihnen begegnen kann.

BTSZ: Herr Prof. Rupprecht, ist der Blutdruck nur bei älteren Menschen ein Thema?
Prof. Rupprecht: Nein. Generell sind Menschen ab 55 Jahren zwar häufiger betroffen, aber auch junge Männer und Frauen leiden unter zu hohem Blutdruck. Es ist also keinesfalls nur eine Frage des Alters oder des Geschlechts.

BTSZ: Wie erkenne ich, ob ich unter Bluthochdruck leide?
Prof. Rupprecht: Bluthochdruck ist eine stille Erkrankung. Das heißt, der Patient spürt vor allem am Anfang relativ wenig. Manche haben Kopfschmerzen, vielleicht wird das Gesicht leicht rot. Aber auch ohne bewusst wahrgenommene Anzeichen oder familiäre Vorbelastung rate ich jedem, zumindest einmal im Jahr den Blutdruck zu kontrollieren. Wer daheim keine Möglichkeit hat, kann das problemlos beim Hausarzt überprüfen lassen.

BTSZ: Ich kann mich also gut fühlen und dennoch ernsthaft krank sein?
Prof. Rupprecht: Bluthochdruck ist sicher nicht die einzige Erkrankung, bei der das so ist, aber ja. Ein zu hoher Blutdruck kann lebensgefährlich werden und ist immer behandlungsbedürftig.

BTSZ: Wo beginnt zu hoher Blutdruck?
Prof. Rupprecht: Gemessen wird in mmHG, dem Maß für den Druck bei der Blutdruckmessung. Von Bluthochdruck spricht man ab Werten von 140 zu 90. Dann gilt es auch medikamentös gegenzusteuern. Auf die therapeutischen Maßnahmen werde ich in meinem Vortrag genauer eingehen. Aber bereits bei Werten ab 130 zu 80 sollte man bewusst gegensteuern und seinen Lebensstil ändern: Verzichten Sie auf übermäßigen Alkoholkonsum, auf das Rauchen, aber auch auf salzhaltige Speisen wie Fertigprodukte und meiden Sie rotes Fleisch. Essen Sie stattdessen häufiger Gemüse und bewegen Sie sich! Sport wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus. Übergewichtige sollten außerdem dringend ihr Gewicht reduzieren.

BTSZ: Wie sieht die Therapie aus?
Prof. Rupprecht: In der Regel behandeln wir Bluthochdruck mit einer Kombination aus Wirkstoffen. Um die Einnahme zu vereinfachen, gibt es Tabletten, in denen schon verschiedene Wirkstoffe enthalten sind. Positiv ist das vor allem, weil Patienten ihre Medikamente dann regelmäßiger einnehmen. Mit der richtigen Kombination lassen sich die meisten Blutdruckerkrankungen langfristig gut in den Griff bekommen. Das größte Problem ist es nicht, die richtige Einstellung zu finden, sondern dass die Einnahme der Tabletten dauerhaft erfolgen muss. Studien belegen, dass rund die Hälfte der Patienten ihre Medikamente bereits nach einem Jahr nicht mehr regelmäßig nimmt. Leider.

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BTSZ: Was riskieren die Patienten damit?
Prof. Rupprecht: Die bessere Frage wäre: Was gewinnen Patienten, wenn Sie durchhalten? Wer seinen systolischen Blutdruck um 10 mmHG senkt, also beispielsweise von 140 auf 130, reduziert damit zum Beispiel das Risiko, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, um 20 bis 25 Prozent.

BTSZ: Die Klinikum Bayreuth GmbH ist Hypertoniezentrum. Was zeichnet die Behandlung hier aus?
Prof. Rupprecht: Natürlich behandeln wir alle Arten von Bluthochdruck. Spezialisiert sind wir aber vor allem auf komplexe Krankheitsverläufe. Es gibt immer wieder Patienten mit sehr hohem Blutdruck, die schlecht auf Medikamente ansprechen. In diesen Fällen ist meist eine andere Grunderkrankung der Auslöser, die gefunden und behandelt werden muss. Lässt sich auch danach keine medikamentöse Besserung erreichen, haben wir in letzter Konsequenz noch die Möglichkeit, einen Barorezeptor-Stimulator zu implantieren, der einen permanent hohen Blutdruck vorgaukelt. Dadurch wird ein Reflex, der Karotis-Baroreflex, ausgelöst, der den Blutdruck nach unten korrigiert.

red