Gesundheit: Bauchaortenaneurysma - die tickende Zeitbombe?

Dr. med. Peter Blaurock Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, Foto: Klinikum Bayreuth GmbH

Bauchaortenaneurysma - die tickende Zeitbombe? Dieser Frage gehen Dr. Peter Blaurock, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, und Dr. André Friedrich, Leitender Oberarzt, im Rahmen eines Medizinischen Vortrags im Klinikum Bayreuth am Mittwoch, 13. Februar, auf den Grund: Sie gehen dabei auf die Möglichkeiten der Vorsorgeuntersuchung ein und stellen Behandlungsalternativen vor.

BTSZ: Was ist ein Aneurysma?
Dr. Blaurock: Ein Aneurysma ist die lokale krankhafte Erweiterung einer Arterie, also eines Gefäßes, das sauerstoffreiches Blut vom Herzen ausgehend im Körper verteilt. An einer Schwachstelle entsteht eine Ausbuchtung, die nach und nach größer wird. Häufig entwickelt sich ein Aneurysma im Bereich der Bauchschlagader, unterhalb der Nierenarterien. Und das kann lebensgefährlich werden: Die Bauchschlagader hat normalerweise einen Durchmesser von zwei Zentimetern. Wächst dieser bei einem Aneurysma auf mehr als 5,5 Zentimeter an, besteht ein extrem hohes Risiko, dass die Aorta reißt. Der Patient würde innerhalb kurzer Zeit verbluten.

BTSZ: Das klingt erschreckend - wer sollte hellhörig werden?
Dr. Friedrich: Die Statistik sagt: vier bis acht Prozent der Männer über 65 Jahre haben ein Bauchaortenaneurysma. Wenn sie älter werden, außerdem Raucher sind, oder unter zu hohem Blutdruck leiden, steigt die Wahrscheinlichkeit weiter. Auch eine familiäre Vorbelastung ist möglich. Bei Frauen hingegen entwickeln sich Aneurysmen der Bauchschlagader eher selten.

BTSZ: Wie erhalte ich Gewissheit?
Dr. Friedrich: Ein Aneurysma verursacht meistens weder Schmerzen noch Beschwerden. Um Klarheit zu haben, sollten Männer ab 65 die Möglichkeiten der gesetzlichen Vorsorgeuntersuchung nutzen. Dabei wird mittels Ultraschall die Bauchaorta nach krankhaften Erweiterungen abgesucht.

BTSZ: Ein Bauchaortenaneurysma wird festgestellt, wie geht es weiter?
Dr. Friedrich: Nicht jedes Aneurysma ist behandlungsbedürftig. Viele erreichen nie ein kritisches Stadium, da sie im Normalfall langsam wachsen. Sie werden dann weiter beobachtet.
Erreicht ein Aneurysma den kritischen Durchmesser von 5,5 Zentimetern, gibt es zwei Behandlungsalternativen. Wenn die Lage es zulässt, operieren wir überwiegend minimalinvasiv. Dabei führen wir einen Katheter durch die beiden Leistenschlagadern und platzieren einen speziell angepassten Stent von innen in dem Gefäß. Das ist für Patienten deutlich schonender, der Heilprozess deutlich kürzer.
Lässt die Lage des Aneurysmas das nicht zu, bleibt die Möglichkeit einer offenen Operation. Über einen Schnitt in der Bauchdecke wird eine Kunststoffprothese implantiert und das Aneurysma so ausgeschaltet.

BTSZ: Das klingt nach einem sehr komplexen Eingriff...
Dr. Blaurock: Das stimmt. Beide Operationen sind große Eingriffe und sollten daher nur in dafür ausgewiesenen Zentren mit entsprechender Erfahrung erfolgen, die auch eine vollständige intensivmedizinische Versorgung gewährleisten können, wie es im Klinikum Bayreuth der Fall ist.
DieEntscheidung für einen solchen Eingriff muss im Einzelfall immer abgewogen werden. Das sollten sich weder Patient noch Arzt leicht machen.

Fakt ist aber: Auf den Ernstfall kann man mit dem Eingriff nicht warten. Dann hängt das Leben am seidenen Faden. In unserem Vortrag werden wir am Mittwoch auf die Risiken und Chancen eines Eingriffs eingehen.

red