Gesundheit: Lebe(r) lieber gesund - Erkrankungen der Leber vorbeugen und behandeln

Privatdozent Dr. med. Steffen Mühldorfer Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Foto: Klinikum Bayreuth GmbH

Unsere Leber ist ein Superheld. Sie heilt, sie wächst, sie regeneriert sich selbst. Aber nur bis zu einem gewissen Punkt, sagt Privatdozent Dr. Steffen Mühldorfer.

Entwickelt sich beispielsweise als Folge einer chronischen Entzündung der Leber eine Leberzirrhose, streiken die Selbstheilungskräfte, dann gibt es kein Zurück mehr. Das Gefährliche: Die Leber leidet still. Schmerzen? Fehlanzeige. Viele Lebererkrankungen werden daher erst spät diagnostiziert. Und dann wird es eng.

Im Rahmen eines Medizinischen Vortrags spricht der Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie darüber, wie die Leber leidet, welche Ursachen Lebererkrankungen haben und wie man sich davor schützt.

BTSZ: Was sind die häufigsten Erkrankungen der Leber und was löst sie aus?
PD Dr. Mühldorfer: Die häufigste Erkrankung ist sicher die sogenannte Fettleber, deren mögliche Folge eine Fettleberentzündung ist. Übermäßiger Alkoholkonsum kann ein Auslöser sein, ist aber bei weitem nicht der einzige. Viel relevanter ist das Körpergewicht. In der Regel gilt: Fett macht auch die Leber fett. Übergewichtige tragen daher ein deutlich erhöhtes Risiko. Außerdem begünstigen einige Erkrankungen wie Diabetes Typ II und auch verschiedene Medikamente Lebererkrankungen. Das lässt sich aber leider oft nicht vermeiden. Einer ernährungsbedingten Fettleber hingegen kann man vorbeugen.

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BTSZ: Was passiert bei einer Verfettung der Leber?
PD Dr. Mühldorfer: Die Leber hat zahlreiche wichtige Aufgaben. Zwei davon sind es, Giftstoffe wie Medikamentenrückstände oder Alkohol abzubauen und Energieträger einzulagern. Überfordern wir die Leber, lagert sie Fett ein und kann sich entzünden. Dies wiederum führt zu einem bindegewebigen Umbau der Leber. Die Funktion der Leber lässt immer mehr nach, eine Leberzirrhose entsteht. Und die kann richtig gefährlich werden. Zum einen, weil ein langsames Versagen der Leber droht, zum anderen, weil die Leber unermüdlich versucht, ihre Zellen zu ersetzen. Und je schneller das Zellenwachstum, desto wahrschein-licher ist die Entstehung bösartiger Zellen, also eines Tumors der Leber.

BTSZ: Was kann ich tun, dass es nicht so weit kommt?
PD Dr. Mühldorfer: Wir leben in Zeiten des Überflusses. Zu viel fetthaltiges Essen, zu wenig Bewegung. Jeder sollte seine Ernährungsgewohnheiten gelegentlich hinterfragen, insbesondere, wenn er zu Übergewicht neigt oder übergewichtig ist. Wer auf ausgewogene Ernährung achtet und den Genuss von fettreichen Lebensmitteln wie Wurst und Fleisch einschränkt, tut nicht nur seiner Leber Gutes. Er wird sich auch insgesamt besser fühlen. Keiner muss gleich zum Vegetarier werden, aber es ist bewiesen, dass eine ausgewogene Ernährung die Leber schützen kann.

BTSZ: Wann sollte ich hellhörig werden?
PD Dr. Mühldorfer: Lebererkrankungen verursachen sehr lange keine Beschwerden. Das heißt aber nicht, dass die Leber gesund ist. Wer unter Diabetes Typ II oder Übergewicht leidet, sollte daher in jedem Fall seine Leberwerte regelmäßig überprüfen lassen. Sind die Leberwerte erhöht, ist das ein Anzeichen dafür, dass vermehrt Leberzellen zugrunde gehen. In diesem Stadium kann sich die Leber auch wieder erholen. Wer das ignoriert, riskiert aber auf lange Sicht sein Leben. Besteht erst einmal eine Zirrhose, lässt sich diese in den meisten Fällen nicht mehr rückgängig machen. Aber auch dann kann eine dauerhafte Änderung des Lebensstils zumindest das Fortschreiten der Krankheit verhindern. Aber nur dann. Medikamentös richtet man hier kaum etwas aus.

red