Recht: Zehn Irrtümer im Erbrecht

Dr. jur. Josef Zeitler, Foto: Kanzlei Dr. Zeitler

»Alles, was man im Leben braucht, ist Unwissenheit und Selbstvertrauen», wusste schon Mark Twain.
In erbrechtlichen Angelegenheiten kann das jedoch sehr viel Geld und Nerven kosten. Daher nachfolgend die beliebtesten zehn Irrtümer im Erbrecht.

Irrtum 1: Ein Testament ist teuer
Wahrheit: Ein Testament kann mit der eigenen Hand geschrieben und unterschrieben werden. Das verursacht keine weiteren Kosten. Das Testament ist sofort wirksam. Die Hinterlegung des Testaments beim Amtsgericht ist rein freiwillig.

Irrtum 2: Ein Testament muss befolgt werden
Wahrheit: Es gibt kein Gesetz, welches von sich aus alle Erben dazu zwingt, ein Testament zu befolgen. Abhilfe schafft hier nur die Einsetzung eines Testamentsvollstreckers. Dieser ist quasi der verlängerte Arm des Erblassers über dessen Tod hinaus und vollstreckt das Testament auch gegen den Willen der Erben.

Irrtum 3: Den Pflichtteil bekomme ich automatisch
Wahrheit: Aufgrund der eigentlich unmissverständlichen Hinweise des Nachlassgerichts gehen dennoch viele davon aus, dass sich das Nachlassgericht um die Auszahlung des Pflichtteils kümmert. Um den Pflichtteil muss sich jedoch der Pflichtteilsberechtigte, also das enterbte Kind oder der enterbte Ehegatte, selbst kümmern und diesen bei den Erben zivilrechtlich geltend machen.

Irrtum 4: Nichteheliche Kinder erben nichts
Wahrheit: Seit längerem sind eheliche und nichteheliche Kinder erbrechtlich vollkommen gleichgestellt. Auch die Ungleichbehandlung von vor dem 01.07.1949 geborenen nichtehelichen Kindern ist menschenrechtswidrig (EGMR 3545/04).

Irrtum 5: Kinder erben erst nach den Eltern
Wahrheit: Kinder haben bereits nach dem Tod des ersten Elternteils ein umfassendes Erbrecht. Es entstehen dann ungewollte Erbengemeinschaften, die sehr streitanfällig sind.

Irrtum 6: Ich kann jeden enterben
Wahrheit: Die nächsten Familienangehörigen können wirtschaftlich nicht enterbt werden. Kindern und Ehegatten steht per Gesetz grundsätzlich der Pflichtteil zu.

Irrtum 7: Geschwister erben immer
Wahrheit: Geschwister erben nach dem Gesetz erst dann, wenn keine Kinder und kein Ehegatte vorhanden sind und mindestens ein Elternteil bereits verstorben ist. Nur dann erben Geschwister.

Irrtum 8: Eine Schenkung zählt zehn Jahre lang
Wahrheit: Im Erbrecht sind Schenkungen zu Lebzeiten ein sehr kritisches Thema. Weit verbreitet ist der Irrtum, dass eine Schenkung nach zehn Jahren nicht mehr ausgeglichen werden muss, beispielsweise an Geschwister oder Ehepartner. In der Praxis gilt die Zehnjahresregel eher selten, denn das Gesetz sieht eine Vielzahl an Ausnahmen vor. Beispielsweise gilt für Zuwendungen unter Vorbehalt eines Nießbrauchs oder Wohnungsrechts keine Zehnjahresregel. Auch für Zuwendungen unter Ehegatten gilt die Zehnjahresregel nicht. Auch wenn eine Schenkung sehr lange zurückliegt kann diese in bestimmten Fällen zum heutigen Verkehrswert auszugleichen sein.

Du möchtest einen Seat Ibiza gewinnen?
Dann mach mit bei unserer Aktion - shoot the car: Hier geht's zur Anmeldung!

Irrtum 9: Ehegatten vertreten sich gegenseitig
Wahrheit: Es gibt keine gesetzliche Regelung, wonach sich Ehegatten gegenseitig vertreten könnten. Dies betrifft Dinge des täglichen Lebens, gegenüber dem Krankenhaus, Behörden, Arbeitgeber usw., aber auch nach dem Tod. Abhilfe schafft hier nur eine Vorsorgevollmacht, die sich Ehegatten über den Tod hinaus gegenseitig erteilen. Damit kann auch vor Testamentseröffnung der Nachlass vorübergehend verwaltet werden.

Irrtum 10: Berliner Testament ist ohne Risiko
Wahrheit: Noch immer ist das Berliner Testament im Zweifel eine sehr gute Lösung, wenn das gesamte Familienvermögen nicht zu hoch ist. Beim klassischen Berliner Testament gehen die Freibeträge des Erstversterbenden gegenüber den Abkömmlingen verloren. Denn beim letzten versterbenden Elternteil sammelt sich das gesamte Vermögen. Erbschaftsteuer kann dann nur noch mit juristischen Tricks minimiert werden.

Bestens beraten.
www.zeitler.law