Gesundheit: Medizinischer Vortrag von Dr. Sven Schimanski - Krankenhaushygiene - was macht man da so?

Dr. med. Sven Schimanski, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, Foto: Klinikum Bayreuth GmbH

Bakterien und Viren sind für das Auge unsichtbar. Dennoch sind sie es, die Dr. Sven Schimanski, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Mikrobiologie und Krankenhaushygiene, und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauernd im Blick haben müssen. Nirgends ist es wichtiger, die verschiedenen Erreger zu kennen und ihre Ausbreitung zu verhindern, als im Krankenhaus. Doch wie bekämpft man, was man nicht sieht? Dr. Sven Schimanski gibt am kommenden Mittwoch, 28. November, um 18 Uhr im Rahmen eines Medizinischen Vortrags Einblicke in das Thema Krankenhaushygiene. Wir sprachen vorab mit dem Referenten.

BTSZ: Welche Erreger machen Ihnen im Krankenhaus am meisten zu schaffen und warum?
Dr. Sven Schimanski: Besonders zu schaffen machen uns die immer häufiger werdenden multiresistenten Erreger gegen Antibiotika. Patienten sind durch Infektionen mit diesen Erregern besonders gefährdet. Schon ein gesunder Mensch muss alle Bordmittel der Infektionsabwehr aufbringen, um sie zu bekämpfen. Nun haben wir es im Krankenhaus aber oft mit Patienten zu tun, die diese Bordmittel gerade nicht haben. Dann wird es gefährlich, ja teils lebensgefährlich. In der Vergangenheit wurde der Hygiene nicht die ausreichende Aufmerksamkeit gegeben, auch weil man sich sicher war, sie mit einem der vielen Antibiotika gut behandeln zu können. Heute wissen wir, dass wir uns damit einen Bärendienst erwiesen haben: Die Resistenzen nehmen zu, Vorbeugen wird immer relevanter.

BTSZ: Zu Ihrem Vortragstitel: Krankenhaushygiene - was macht man da so?
Dr. Sven Schimanski: Am wichtigsten ist für uns die Vermeidung von Infektionen, die Infektionsprävention. Hierbei gilt es, die Hygienemaßnahmen der jeweiligen Situation so anzupassen, dass Aufwand und Wirkung in einem bestmöglichen Verhältnis stehen. Denn je aufwändiger die Hygienemaßnahmen, desto schwieriger wird die Patientenversorgung. Es gilt auch, allgemeine Rahmenbedingungen zu schaffen, um eine Infektion oder eine Übertragung von Erregern von vorne herein unwahrscheinlicher werden zu lassen. Je besser zum Beispiel die Basishygiene funktioniert, desto seltener werden aufwändige spezifische Hygienemaßnahmen notwendig.

BTSZ: Wie lässt sich das erreichen?
Dr. Sven Schimanski: In unserem Krankenhaus gibt es Hygienestandards für die Basishygiene, die eingehalten werden müssen, auch ohne dass ein Erreger gefunden wurde. Die Basishygiene umfasst beispielsweise die regelmäßige Händedesinfektion vor und nach jedem Patientenkontakt, das Anlegen der Schutzhandschuhe, aber auch das korrekte Tragen der Dienstkleidung. Auf der anderen Seite folgt auch die Reinigung der Zimmer, insbesondere der Sanitärbereiche und der Betten strikten Vorgaben. Zimmergröße und Raumbelüftung sind weitere Aspekte der vorbeugenden Hygiene, die insbesondere bei Baumaßnahmen zu berücksichtigen sind. Je enger Patienten zusammenliegen, desto größer die Gefahr für Erregerübertragungen.

BTSZ: Was passiert, wenn ein potenziell gefährlicher Erreger gefunden wurde?
Dr. Sven Schimanski: Je eher wir wissen, womit wir es zu tun haben, desto besser und schneller können wir reagieren. Im Klinikum Bayreuth wird beispielsweise jeder Patient, der über die Notaufnahme aufgenommen wird, automatisch auf MRSA, bei entsprechenden Symptomen auch auf das Influenzavirus und das Norovirus hin untersucht. Das heißt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notaufnahme nehmen Proben ab und suchen gezielt nach diesen Erregern, rund um die Uhr an jedem Tag der Woche. Ist der Befund positiv, leiten wir bereits vor der stationären Aufnahme entsprechende Maßnahmen ein. Es geht darum, Erreger rechtzeitig zu erkennen und deren Ausbreitung mit spezifischen Hygienemaßnahmen zu verhindern. Der Patient wird isoliert und das medizinische Personal, aber auch Besucher werden angewiesen, die Hygienemaßnahmen entsprechend einzuhalten.

BTSZ: Was können Besucher und Patienten selbst tun?
Dr. Sven Schimanski: Das Positive: Hygiene rückt immer mehr in das Bewusstsein der Menschen, das Verständnis für präventive Maßnahmen wird größer. Besuchern rate ich im eigenen Interesse, aber auch im Interesse der Patienten, sich bei Betreten und Verlassen der Klinik die Hände zu desinfizieren. In den Eingangsbereichen unserer Klinik finden Sie entsprechende Spender zur Händedesinfektion. Für alle weiteren Maßnahmen gilt: Wer sich unsicher ist, sollte fragen. Mundschutz, Handschuhe und Kittel sind nur dann ein wirksamer Schutz, wenn Sie korrekt an- und ausgezogen werden. Für den Laien ist das alleine oft schwer zu bewerkstelligen. Unser medizinisches Personal hilft bei Fragen aber gerne weiter.