Gadoliniumhaltige MRT-Kontrastmittel

Dr. med. Michael Blobner, Facharzt für Radiologie, Foto: Radiologie-Praxis im Dürerhof

Seit vielen Jahren werden Kontrastmittel in der bildgebenden Diagnostik (MRT = Magnetresonanztomographie und CT = Computertomographie) erfolgreich eingesetzt. Kontrastmittel machen auf den Bildern häufig die krankhaften Veränderungen wie z.B. Tumore oder Entzündungen erst erkennbar.

Leider werden in letzter Zeit diese Substanzen vermehrt in Verruf gebracht. Insbesondere die Gadolinium-haltigen MRT-Kontrastmittel (für Magnetresonanztomographische Untersuchungen) sind aktuell Gegenstand dieser Berichte. So erscheinen in den Medien öfters Beiträge, die über eine Gefahr für den Patienten berichten (z.B. hat Chuck Norris die Pharmaindustrie auf zehn Millionen Dollar verklagt, da seine Frau eine Gadolinium-Vergiftung erlitten haben soll).

Auch gibt es einzelne Patienten in Deutschland, die nach Kontrastmittelanwendung über vielfältige Beschwerden berichten. Aufgrund dieser Berichte häufen sich die kritischen Nachfragen oder die Ablehnung der gadoliniumhaltigen Kontrastmittel in unserer Praxis.

In der Vergangenheit ist es vorgekommen, dass sich diese Kontrastmittel im Gehirn (im sog. Nucleus dentatus) angereichert haben und auf nachfolgenden Untersuchungen sichtbar wurden, und zwar bei Patienten, die wiederholt Kontrastmitteluntersuchungen bekommen haben. Bei diesen Patienten wurden Substanzen mit einer sog. linearen Molekülstruktur verwendet, die chemisch instabiler sind als die mit einer zyklischen Struktur, in denen das Gadolinium stabil in einen sog. Chelatkomplex eingebaut ist. Diese instabilen Kontrastmittel sind inzwischen (im Gegensatz zu den USA) in Europa vom Markt genommen worden. Bei den Kontrastmitteln mit zyklischer Molekülstruktur ist den meisten wissenschaftlichen Studien zufolge eine Ablagerung im Gehirn auf den Bildern nicht nachgewiesen worden, und zwar sowohl retrospektiv (also rückblickend), als auch in prospektiven Studien, die genau dieses Phänomen untersuchen.

In unserer Praxis verwenden wir die stabilen Kontrastmittel und zwar nur dann, wenn es die Fragestellung notwendig macht und wenn es einen medizinischen Nutzen hat. Außerdem kontrollieren wir die Laborparameter bzw. die Nierenfunktionswerte, ob eine Kontrastmittelgabe überhaupt möglich ist, um eine vorbestehende Nierenfunktionseinschränkung nicht noch zu verstärken.

Bei vielen Untersuchungen verwenden wir kein Kontrastmittel: z.B. bei der Untersuchung der großen Gelenke (Knie, Schulter, Hüfte, Sprunggelenk, Ellenbogengelenk) oder bei Wirbelsäulen. Eine Ausnahme sind Handgelenksuntersuchungen, Fingersehnen oder operierte Wirbelsäulen (um z.B. Narbengewebe von einem Rezidivbandscheibenvorfall zu differenzieren). Bei Untersuchungen des Gehirns, der Bauchorgane (z.B. Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Prostata usw.), der Blutgefäße (v.a. Arterien) oder bei Darmuntersuchungen und der Beckenorgane werden bei uns Kontrastmittel eingesetzt.

Den Patienten, die eine Kontrastmittelgabe ablehnen, ist oft gar nicht bewusst, dass ohne Kontrastmittelgabe die Sensitivität der Untersuchung deutlich herabgesetzt ist und die Stellung vieler Diagnosen nicht möglich ist bzw. auf den MRT-Bildern pathologische Veränderungen gar nicht sichtbar werden. Dies versuchen wir den Patienten im Aufklärungsgespräch zu erläutern. Daher sind zum jetzigen Zeitpunkt Kontrastmittel immer noch notwendig und für viele Fragestellungen unverzichtbar.

Weitere Informationen sind auf der Praxis-Homepage der Radiologie-Praxis im Dürerhof zufinden: www.radiologie-bayreuth.de