Gesundheit: Gedächtnisstörung - entwickelt sich eine Demenz?

Prof. Dr. Patrick Oschmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie der Klinikum Bayreuth GmbH, Foto: Klinikum Bayreuth

Demenz ist eine Volkskrankheit. Alleine in Deutschland leiden etwa eine Million Menschen an der Erkrankung, die das Leben so schleichend wie grundlegend verändert. Tendenz: steigend. Alzheimer ist dabei die häufigste Form, bei weitem aber nicht die einzige. Nicht selten ist sie auch eine Begleiterscheinung der Parkinson-erkrankung, die neben der Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung ist.

Prof. Dr. Patrick Oschmann, Chefarzt der Klinik für Neurologie, und Prof. Dr. Stefan Förster, Chefarzt der Klinik für Nuklearmedizin, arbeiten nicht nur bei Diagnostik und Therapie beider Erkrankungen Hand in Hand, sondern auch im Bereich der Forschung. Im Rahmen eines Medizinischen Vortrags sprechen sie am Mittwoch, 13. März, über Diagnosealternativen und Therapieformen, aber auch darüber, was in Zukunft möglich werden kann.

BTSZ: Herr Prof. Dr. Oschmann, was kann denn in der Demenz-Behandlung möglich werden?
Prof. Dr. Oschmann: Die Klinikum Bayreuth GmbH ist eines von deutschlandweit 21 Zentren, in denen derzeit ein vielversprechendes Medikament getestet wird. Verlaufen die Studien in Deutschland erfolgreich, hätten wir erstmals die Möglichkeit, die Alzheimer-erkrankung zu stoppen, vielleicht sogar einen Ausbruch zu verhindern. Grund zur Hoffnung gibt es: In den USA hat es bereits eine erfolgreiche Studie gegeben.

BTSZ: Dazu müsste man Alzheimer diagnostizieren, bevor die Demenz entstanden ist - wie diagnostiziert man etwas, was noch nicht da ist?
Prof. Dr. Förster: In der Frühdiagnostik spielt die Nuklearmedizin eine entscheidende Rolle. Charakteristisch sind hier Ablagerungen der Eiweiße Beta-Amyloid und Tau im Gehirn. Diese Eiweiße entstehen vermehrt und können von den Nervenzellen nicht mehr vollständig abgebaut werden, so dass es im Verlauf zu einer Nervenzellschädigung kommt. Solche Eiweißablagerungen lassen sich mit Hilfe modernster Geräte, sogenannter PET/CT-Scanner, bereits Jahrzehnte bevor Symptome einer Demenz oder strukturelle Veränderungen im Gehirn auftreten, nachweisen. Im Klinikum Bayreuth haben wir diese diagnostischen Möglichkeiten.

BTSZ: Aber wenn sich frühzeitig Demenz-Eiweiß nachweisen lässt, bin ich dann schon krank?
Prof. Dr. Förster: Nein und ja. Zu diesem Zeitpunkt lässt sich weder im CT noch im MRT eine Veränderung am Gehirn feststellen, das Gehirn gilt als strukturell gesund. Aber je mehr dieser charakteristischen Eiweißablagerungen nachgewiesen werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zukünftig zu einer Demenz kommt.
Umgekehrt gilt aber: Hat sich keines dieser Eiweiße im Gehirn abgelagert, wird sich in den nächsten zehn bis 20 Jahren mit Sicherheit keine Alzheimer-Demenz entwickeln. Ähnlich funktioniert auch die nuklearmedizinische Früh-diagnostik bei Parkinson: Hier gibt der Botenstoff Dopamin Aufschluss. Ist dieser in der sogenannten DatScan-SPECT-Untersuchung vermindert nachweisbar, ist das ein Hinweis darauf, dass bereits dopaminerge Nervenzellen im Hirnstamm zugrunde gehen.
Parkinson lässt sich so ebenfalls diagnostizieren, bevor strukturelle Veränderungen am Gehirn nachweisbar werden. Damit ist mit der nuklearmedizinischen Diagnostik der Grundstein gelegt, beide Erkrankungen bereits zu behandeln, bevor sie den Alltag der Patienten einschränken.

BTSZ: Ich kann also mein Risiko bereits Jahre im Voraus in Erfahrung bringen - was bringt mir das?
Prof. Dr. Oschmann: Bisher gibt es noch kein zugelassenes Medikament, das an diesem Punkt ansetzt. Bis dato schaffen es Demenz-Medikamente bestenfalls, die Symptome zu lindern. Risiko-Patienten haben aber bei uns in der Klinikum Bayreuth GmbH die Möglichkeit, sich im Rahmen einer der laufenden Studien behandeln zu lassen und bekommen damit Zugang zu den modernsten Therapiemöglichkeiten. Bezogen auf die Alzheimer-Demenz beteiligen wir uns derzeit an einer vielversprechenden Medikamentenstudie: Das Medikament soll das Fortschreiten der Erkrankung stoppen. Es wirkt proteinbezogen, also speziell gegen das führende Alzheimer-Eiweiß Beta-Amyloid, und ist daher erst einmal nur für Alzheimerpatienten geeignet. Unsere Hoffnung ist es aber, auf dieser Basis Möglichkeiten zu finden, wie auch andere Antikörper und Eiweiße, die für die verschiedenen Formen der Demenz verantwortlich sind, abgebaut werden können. Das wäre der ganz große Durchbruch. In unserem Vortrag werden wir die Möglichkeiten, die sich hier bei uns in der Klinik bieten, aber noch einmal ausführlich vorstellen.

red