Gesundheit: Wie Bewegung der Seele hilft - Körper- und bewegungsorientierte Therapie als Behandlungsbaustein am BKH

Frank Orbach ist Leiter der körper- und bewegungsorientierten Therapie am BKH Bayreuth. Neben bekannten Sportarten nutzen die Bewegungstherapeuten am BKH Bayreuth auch individuell abgestimmte Methoden, um den Zugang zum Körper zu fördern, Foto: GeBO

Ist die Seele krank, ist häufig auch der Körper lahm gelegt. Vor allem Menschen, die unter schweren Depressionen leiden, haben keinerlei Antrieb mehr, kommen manchmal nicht mal mehr aus dem Bett. Der Kontakt zum eigenen Körper und zum Körperempfinden ist schwer beeinträchtigt oder sogar komplett abgeschnitten.

Hier setzt die körper- und bewegungsorientierte Therapie an. Neben den bekannteren Bewegungsangeboten wie Nordic Walking, unterschiedlichen Gymnastikformen oder Spielsportarten nutzen die Bewegungstherapeuten am Bezirkskrankenhaus Bayreuth auch individuell abgestimmte Methoden, um den Zugang zum Körper zu fördern.

Frank Orbach bietet zum Beispiel seinen Patienten Schaukeln für Erwachsene an. In der großen Sporthalle des Bezirkskrankenhauses Bayreuth hat er eine überdimensionale Schaukel aufgebaut. Größer als die, die man von Kinderspielplätzen kennt.

An Ringen, die von der Decke baumeln, ist sie befestigt. Dicke Weichbodenmatten liegen darunter. Langsam beginnt die Patientin, die zögerlich auf der Schaukel Platz genommen hat, zu schaukeln. Erst ganz vorsichtig. Dann immer höher, immer schwungvoller, immer weiter hinauf. »Durch die Schaukelbewegung finden gerade depressive Menschen oft in einen kindlich vergnügten, unbeschwerten Modus», erklärt Orbach.

Frank Orbach ist Leiter der körper- und bewegungsorientierten Therapie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth. Zu diesem Bereich gehören Physiotherapie, Massage und Sport- und Bewegungstherapie. Drei Komponenten, die zu einem ganzheitlichen Behandlungsangebot am Bezirkskrankenhaus Bayreuth gehören, erklärt Leitender Psychologe Kai Uffmann.

Zu dieser Behandlung gehören Therapiegespräche, soweit nötig medikamentöse Therapie - aber eben nicht nur. Gerade depressive Menschen, die wenig Antrieb haben, sollen (auch körperlich) wieder aktiviert werden. »Das ist für die Patienten ganz wichtig», sagt Uffmann.

Wichtig ist zu sehen, was der einzelne Patient benötigt, so Psychologe Kai Uffmann. Sollen sie auf körperlichem Weg etwas lernen? Sind sie überhaupt schon bereit dafür, an der Bewegungstherapie teilzunehmen? Regelmäßig finden daher im gesamten Team Besprechungen statt, die sich mit der Situation jedes einzelnen Patienten befassen und dessen bestmögliche Behandlung im Blick haben.

Die körper- und bewegungsorientierte Therapie läuft während der gesamten Behandlungsdauer am Bezirkskrankenhaus Bayreuth, im besten Fall werden die Patienten so motiviert, sich zu bewegen, dass sie es auch nach der Entlassung weiter tun, sich einem Verein anschließen oder etwa Nordic Walking und Yoga beibehalten, das sie hier kennengelernt haben.

Bei den Sport- und Bewegungsangeboten am Bezirkskrankenhaus Bayreuth geht es nicht um Leistung, Druck oder Wettbewerb. Orbach wählt daher in Gruppen auch gerne Spielformen, die noch niemand kennt und mit denen somit keiner der Teilnehmer negative Vorerfahrungen verbindet. Alle in der Gruppe starten auf demselben Niveau. Das nimmt Leistungsdruck aus der Bewegung, der Spaß am Spiel und der Bewegung steht im Vordergrund.
Aktivierung, Erhalt und Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit, Stressreduktion, körpernahes Erleben von Gefühlen oder Gemeinschaftserlebnis: Sport- und Bewegungstherapie kann in vielfältiger Weise positiv zur Behandlung psychischer Erkrankungen beitragen.

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Am Donnerstag, 13. Dezember, läuft um 18.30 Uhr auf TV-Oberfranken ein Beitrag über die körper- und bewegungsorientierte Therapie im Bezirkskrankenhaus Bayreuth.