Mit Inklusion ernst gemacht

Ein Gewinn für beide Seiten: Michael Eberl (zweiter von links) machte die Zusammenarbeit mit dem Team des »Goldenen Anker« (links Chefin Eva Graf) viel Spaß, diese brachte neue, positive Erfahrungen, Foto: Mirko Strässer

Bayreuth. Der ?Goldene Anker? in Bayreuth hatte eine Woche lang einen ganz besonderen Praktikanten: Der 18-j?hrige Michael Eberl, der mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen ist, durfte mithelfen.

An f?nf Tagen war der Sch?ler, der momentan die 11. Klasse der Dr.-Kurt-Blaser-Schule besucht und dort sogar zweiter Klassensprecher ist, im Hotel und half von 7 bis 14 Uhr - nat?rlich mit entsprechenden Pausen - tatkr?ftig mit. Chefin Eva Graf und Ralf Hartel, der f?r die Koordination im Betrieb zust?ndig ist, freuten sich ?ber eine tolle Woche. ?Er ist ganz normal in den Arbeitsalltag eingebunden, Michael lernt sehr schnell?, freute sich Ralf Hartel.
F?r den Sch?ler, der noch etwas mehr als eineinhalb Jahre den Schulunterricht besuchen wird, war die Woche ein voller Erfolg. ?Es machte mir gro?en Spa?, schw?rmt der 18-J?hrige, der Bayreuth sehr gern mag. Genauer: Er mag ministrieren, ins Fitnessstudio zu gehen - und eben den ?Goldenen Anker?. Dort half er in seiner Praktikumswoche ?berall mit. Sei es in der K?che beim Pl?tzchen backen, beim Fr?hst?ck machen oder auf den Etagen - dort unterst?tzte er beim Putzen, Staubsaugen und Bettenmachen.

Chefin stellte Kontakt her
Zustande kam dieses Engagement ?ber eine Freundschaft zwischen Besitzerin Eva Graf und Michaels Vater Markus Eberl. ?Anfang Januar 2017 wurde der Geburtstag von Markus im Anker gefeiert. Dort hat Michael schon etwas beim Servieren geholfen und ich dachte mir, wieso kann er hier nicht mal mitarbeiteten??, berichtet die Chefin, die anschlie?end Kontakt zur Familie aufnahm: ?Ich habe einfach mal angefragt, ob sie sich vorstellen k?nnten, dass Michael mal hier arbeitet. Daraus ist das Praktikum entstanden.?
F?r das Hotel Anker geht nat?rlich auch eine gro?e Verantwortung einher. ?Es war die Frage, ob wir ihm als kleines Team die Aufmerksamkeit entgegenbringen k?nnen, die er braucht?, berichtet Eva Graf, die nach den Tagen des Praktikums aber zu der Antwort kommt: ?Es hat gut funktioniert, Michael begreift alles sehr schnell und hat es toll gemacht. Ich kann mir sowas durchaus wieder vorstellen.? F?r die Chefin war es eine Herzensangelegenheit, in die sie gerne Zeit und M?he reingesteckt hat. Und f?r Michael waren es nach einem Praktikum in einem Augsburger Studentencaf? die n?chsten Schritte ins Berufsleben.

?Menschen mit Behinderung mehr integrieren?
F?r Vater Markus Eberl, der auch Vorsitzender des Vereins ?Hilfe f?r das behinderte Kind Bayreuth e.V.? ist, war das nat?rlich ein tolles Zeichen von Eva Graf. ?Das Wort Inklusion ist in aller Munde, aber es ist nicht selbstverst?ndlich, dass Menschen mit Behinderung ganz normal mitarbeiten.?

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Er ?u?ert einen klaren Wunsch: ?Es w?re schon ein Wunschtraum, dass Menschen mit Behinderung ihren ganz normalen Platz im t?glichen Leben haben. Es w?re sch?n, wenn das Umfeld R?cksicht nehmen w?rde und wenn man es einfach hinnimmt, dass manches bei Menschen mit Behinderung eben mal l?nger dauert. Von Seiten des Vereins ist es ein ganz gro?es Anliegen, Menschen mit Behinderung mehr in den beruflichen Alltag zu integrieren.?
F?r seinen Sohn sieht er die Hotel-Branche oder ?hnliche Berufe ganz gut geeignet: ?Michael ist sehr kommunikativ und sehr nett zu den Leuten. Er kann gut servieren und helfen. Das ist schon ein Bereich, denn man ins Auge fassen kann. Was am Ende rauskommt, werden wir sehen?, so Vater Markus Eberl.

ms